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Wie erkennt man unglaubwürdige Verschwörungstheorien?

Viele Menschen glauben an Verschwörungen. Die Art, wie sie sich diese Verschwörungen vorstellen, nennt man „Verschwörungstheorien“.

Sie glauben daran, dass mächtige Menschen und Gruppen geheime Pläne schmieden, um noch mächtiger zu werden. Diese werden dann „Verschwörer“ genannt. Die Inhalte sind von Beispiel zu Beispiel unterschiedlich. Wer an Verschwörungstheorien glaubt, meint auch oft, dass Politik und Medien mit Verschwörern unter einer Decke stecken.

Aber soll man solchen Ideen glauben?

Übertriebene Behauptungen

Viele Verschwörungstheorien sind deshalb unglaubwürdig, weil sie übertriebene Behauptungen machen.

Aber dadurch bekommen sie auch viel Aufmerksamkeit. Dann staunen Menschen darüber und finden vielleicht auch ihre Ängste bestätigt. Und dann sprechen sie darüber. Wenn viele Menschen darüber sprechen, wirken die Behauptungen oft gar nicht mehr so übertrieben.

Deshalb glauben dann noch mehr Menschen an die übertriebene Verschwörungstheorie und bestätigen sich deshalb gegenseitig darin.

Aber eine Behauptung ist nicht wahr, nur weil viele Menschen daran glauben.

Woran erkennt man übertriebene, unglaubwürdige Verschwörungstheorien? Die folgenden Überlegungen helfen dabei, übertriebene und unglaubwürdige Verschwörungstheorien zu erkennen.

Ist es so wirklich so einfach?

Häufig klingen Verschwörungstheorien ganz einfach.

Zum Beispiel behauptet eine Verschwörungstheorie: Corona wurde erfunden, damit man uns einsperren kann.

Aber ist das so einfach? Nein. Weil dann ganz viele Menschen davon wissen müssten: Zum Beispiel sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern auf der ganzen Welt. Aber wenn das so wäre, weshalb sollten sie die Verschwörer unterstützen? Und warum sollen sie alle angeblich ein Interesse daran haben, uns einzusperren? Je mehr Menschen angeblich von einer Verschwörung wissen, desto wahrscheinlicher ist, dass sie Fehler machen oder davon erzählen. Dann würde die Verschwörung aber auffliegen. Dann wäre sie auch nicht mehr geheim und deshalb bräuchte es dann keine Verschwörungstheorie mehr.

Deshalb ist eine Verschwörungstheorie übertrieben und unglaubwürdig, wenn viele Menschen von der Verschwörung wissen müssten, aber nichts darüber erzählen oder die Verschwörung auf eine andere Art auffliegen lassen.

Unser Vorwissen

Man kann sich immer überlegen, welche Behauptungen noch wahr sein müssten, damit die Verschwörungstheorie wahr sein kann. Wenn diese zusätzlichen Behauptungen unserem Vorwissen widersprechen, wird die Verschwörungstheorie dadurch unglaubwürdig. Deshalb dürfen Verschwörungstheorien nicht zu sehr von unserem Vorwissen abweichen.

Menschen machen Fehler

Wir wissen zum Beispiel, dass Menschen nicht perfekt planen können: Menschen machen Fehler. Menschen haben nie alle notwendigen Informationen. Und ganz häufig haben unsere Handlungen Konsequenzen, die wir gar nicht beabsichtigt und vorhergesehen haben. Das erleben wir alle in unserem Alltag. Oder wir denken an große Bauvorhaben, wie den Berliner Flughafen, wo ständig Fehler passieren. Auch Verschwörungstheorien müssen deshalb akzeptieren, dass Menschen nicht perfekt planen können und häufig Fehler machen.

Eine Verschwörungstheorie behauptet zum Beispiel, dass Verschwörer ganze Staaten und tausende Politiker und Medien seit vielen Jahren kontrollieren. Und sie behauptet, dass diese Kontrolle perfekt funktioniert und die Verschwörer keine Fehler machen. Aber das ist unglaubwürdig, weil Menschen ja ständig Fehler machen und nicht allmächtig sind. Und je mehr Menschen beteiligt sind, desto eher passieren Fehler.

Deshalb ist eine Verschwörungstheorie übertrieben und unglaubwürdig, wenn sie behauptet, dass Verschwörer viel zu perfekt planen können.

Man kann sich merken: Wenn eine Verschwörungstheorie etwas erklären will, zum Beispiel eine politische Situation, und sie nur durch die Behauptung erklärt, dass Verschwörer diese Situation beabsichtigen, ist sie unglaubwürdig. Denn eigentlich muss die Verschwörungstheorie dann auch erklären, wie die Verschwörer ihren Plan ohne Fehler in die Tat umgesetzt haben können. Und dabei muss sie anerkennen, dass Menschen nicht fehlerfrei planen können.

Gerechtes Misstrauen

Verschwörungstheorien sind meistens misstrauisch gegenüber offiziellen Darstellungen, etwa aus dem Fernsehen oder dem Radio oder den Aussagen von Politikern. Sie suchen dort nach Fehlern und sind sehr streng mit ihnen. Sie fragen dann häufig: Könnte es nicht anders sein? Könnte jemand bezahlt worden sein, um etwas im Fernsehen zu sagen? Könnten Beweise gefälscht sein?

Aber wer so misstrauisch ist, sollte auch gegenüber der eigenen Verschwörungstheorie misstrauisch sein. Denn sonst macht man sich unglaubwürdig: Wenn man zu einer Behauptung streng ist, muss man auch zu anderen Behauptungen ähnlich streng sein.

Deshalb ist eine Verschwörungstheorie übertrieben und unglaubwürdig, wenn sie viel misstrauischer mit anderen Behauptungen umgeht, als mit den eigenen Behauptungen.

Welchen Quellen kann man glauben?

Einzelne Menschen können nicht alles wissen. Deshalb müssen wir uns spezialisieren. Und deshalb müssen wir häufig anderen Menschen vertrauen, die sich spezialisiert haben: Zum Beispiel Ärzten oder Ingenieuren oder Menschen, die schon Länder besucht haben, wo wir noch nicht waren. Andere Menschen können also Quellen für Informationen sein, die wir alleine gar nicht beurteilen können.

Was macht einen Menschen zu einer guten Quelle? Wann ist eine Quelle glaubwürdig?

Eine Quelle ist vor allem glaubwürdig, wenn man ihre Behauptungen überprüfen kann. Zum Beispiel, wenn man ihre Daten und Informationen nachvollziehen kann. So arbeitet die Wissenschaft: Wissenschaftler veröffentlichen ihre Daten, damit andere Wissenschaftler sie überprüfen können.

Wenn aber ein „Insider“ im Internet behauptet, Geheimwissen zu haben, dieses Geheimwissen aber nicht überprüfbar ist, ist er nicht glaubwürdig.

Zum Beispiel: Als Edward Snowden 2013 sagte, dass die Organisation NSA weltweit Daten sammelt, konnte man ihm glauben. Denn er hat Daten vorgelegt, die man nachvollziehen und überprüfen konnte. Deshalb war Edward Snowden eine glaubwürdige Quelle.

Wenn aber jemand etwas behauptet, ohne überprüfbare Daten zu veröffentlichen, ist er keine gute Quelle.

Deshalb ist eine Verschwörungstheorie übertrieben und unglaubwürdig, wenn sie keine nachvollziehbaren und überprüfbaren Daten und Informationen veröffentlicht.

Kann die Theorie scheitern?

In der Wissenschaft verbessern wir unser Wissen immer weiter. Das können wir, weil es immer bessere Theorien gibt. Damit wir erkennen, dass eine Theorie besser ist, muss die schlechtere Theorie scheitern können. Wir verbessern uns also in den Wissenschaften, wenn wir erkennen, dass bestimmte Theorien falsch waren. Wir sagen dann: Diese Theorie ist gescheitert. Damit meinen wir: Wir haben erkannt, dass sie falsch ist. Und dadurch haben wir etwas gelernt.

Also ist es gut, wenn eine Theorie scheitern kann. Denn nur dadurch lernen wir. Und dadurch erweitern wir unser Wissen.

Manchmal kommt es vor, dass jemand nicht will, dass eine Theorie scheitert. Zum Beispiel, weil eine Person gerne will, dass die Theorie wahr ist. Deshalb verhindert die Person dann, dass man erkennt, dass die Theorie eigentlich gescheitert ist. Aber dadurch verhindert die Person auch, dass wir vom Scheitern der Theorie etwas lernen.

Das gilt auch für Verschwörungstheorien: Wenn eine Person eine Verschwörungstheorie behauptet und die Verschwörungstheorie dann kritisiert wird, muss sich die Person auf die Kritik einlassen. Die Person darf die Kritik an ihrer Verschwörungstheorie nicht verhindern. Zum Beispiel sollte sie nicht sagen: Wer meine Verschwörungstheorie kritisiert, wurde dafür bezahlt und gehört deshalb mit zu den Verschwörern.

Denn wenn man die Kritik an der eigenen Theorie verhindert, kann man nicht herausfinden, ob die Theorie vielleicht falsch ist. Dann kann die Theorie nicht scheitern. Aber dann kann man auch nicht lernen und das Wissen erweitern.

Denn man kann sich merken: Eine gute Theorie muss scheitern können.

Deshalb ist eine Verschwörungstheorie übertrieben und unglaubwürdig, wenn sie sich nicht auf Kritik einlässt.

Zusammenfassung

Woran erkennt man eine übertriebene und unglaubwürdige Verschwörungstheorie?

  1. Wenn viele Menschen von der Verschwörung wissen müssten, aber nichts darüber erzählen oder die Verschwörung auf eine   andere Art auffliegen lassen.
  2. Wenn sie zu sehr von unserem Vorwissen abweicht.
  3. Wenn sie behauptet, dass Verschwörer viel zu perfekt planen können.
  4. Wenn sie viel misstrauischer mit anderen Behauptungen umgeht, als mit den eigenen Behauptungen.
  5. Wenn sie keine nachvollziehbaren und überprüfbaren Daten und Informationen veröffentlicht.
  6. Wenn sie sich nicht auf Kritik einlässt.

Der Text ist eine komprimierte und in einfache Sprache übersetzte Version eines wissenschaftlichen Beitrags mit dem Titel Zur Beurteilung von Verschwörungstheorien. Der Artikel ist im Original in der Online-Zeitschrift Mythos Magazin erschienen und unter folgendem Link abrufbar:

Patrick Körner (2017): Zur Beurteilung von Verschwörungstheorien. In: Mythos-Magazin, August 2017, S. 1-16

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