Drehbuch Bossing

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Bossing nach Drehbuch

Wenn Arbeitgeber versuchen, die Interessenvertretung durch Gewerkschaften und Betriebsräte zu unterbinden oder einzuschränken, steckt oft System dahinter. Dieses System ist auch als Bossing bekannt. Gemeint ist damit der zielgerichtete Einsatz von Mobbingmethoden durch Vorgesetzte/ Personalabteilungen/ Geschäftsführungen.

Die Methoden, mit denen unliebsame Mitarbeiter oder Betriebsräte bekämpft werden, sind selten willkürlich, sondern folgen einer schrittweisen Eskalationsstrategie, die häufig wie in einem „Drehbuch“ festgelegt sind. Die einzelnen Schritte sind:

Schritt 1: Soziale Isolierung

Wer als Gegner der Unternehmensleitung oder Geschäftsführung „zur Strecke“ gebracht werden soll, wird meistens zuerst in der betrieblichen Öffentlichkeit gezielt schlecht gemacht: mit Lügen, übler Nachrede, Unterstellungen oder Gerüchten. Jede inhaltliche Zusammenarbeit wird verweigert, wenn möglich, wird der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin auch räumlich isoliert. Parallel werden die Beschäftigten von ihren direkten Vorgesetzten oder von der Personalleitung genötigt, sich von den unliebsamen Mitarbeitern zu distanzieren. Ihnen wird verdeckt oder offen gedroht, wer sich weiterhin mit diesen Leuten einließe, stelle seinen Arbeitsplatz zur Disposition. Gern wird dabei mit anonymen oder persönlich gekennzeichneten Aushängen und Briefen gearbeitet, in denen die Betroffenen diffamiert und sprichwörtlich an den Pranger gestellt werden. Betriebsräte oder aktive Gewerkschafter sollen so nicht mehr zu ihrer eigentlichen inhaltlichen Arbeit kommen, sondern sich nur noch der Angriffe der Geschäftsführung erwehren („Hamsterrad“), was häufig in eine psychische Erschöpfung führt.

Schritt 2: Zermürbung

Zur Strategie der Zermürbung gehört, dass die Unternehmen Briefe, Abmahnungen oder fristlose Kündigungen an unliebsame Beschäftigte meist privat und per Einschreiben zustellen lassen, bevorzugt am Freitag oder Samstag, damit die Betroffenen auch am Wochenende nicht zur Ruhe kommen. Termine für Reaktionen und Stellungnahmen werden in kurzen Abständen gesetzt, das Tempo und der Druck auf den Betroffenen werden weiter erhöht.

Schritt 3: Angst und Schrecken

Die Prozesslawine, die in dieser Phase vom Unternehmen, häufig unterstützt von spezialisierten Rechtsanwälten, losgetreten wird, kann auch Regressverfahren einschließen. Mit solchen Forderungen - die nicht durchgesetzt werden können, sondern in erster Linie Angst und Schrecken verbreiten sollen - werden die Betroffenen beschuldigt, ihr Handeln (z.B. ein Interview zum Konflikt usw.) hätten dem Unternehmen geschadet; deshalb seien sie zur Zahlung von Schadensersatz zu verurteilen. Die Forderungen, die in solchen Verfahren erhoben (aber nie durchgesetzt) wurden, sind astronomisch und betrugen in Einzelfällen über 1 Million Euro. Gleichzeitig werden Kollegen, die den "Feind" der Geschäftsführung weiterhin unterstützen und keinen besonderen Kündigungsschutz genießen, gezielt gekündigt. An ihnen wird ganz offen ein Exempel statuiert, um die anderen weiter einzuschüchtern.

Schritt 4: Gezielter Rechtsbruch

Eine Geschäftsführung, die derart aggressiv vorgeht, sucht nicht nur nach Fehlern, die die Betroffenen gemacht haben könnten oder verlangt ihnen Arbeiten unter Bedingungen ab, bei denen Fehler nachgerade zwangsläufig sind. Sie stellt auch Fallen oder konstruiert sogar mittels Betrug Fehler oder angebliche Beweismittel (Computermanipulation; gezielt platzierte, angebliche "Diebstahlware“ in Taschen). Häufig werden unerlaubt Detektive eingesetzt, die entweder verdeckt nach Fehlern suchen oder halbverdeckt operieren, um den Überwachten Angst zu machen.

Schritt 5: Faktische Immunität

Ist der Konflikt so weit eskaliert, endet er entweder mit dem Zusammenbruch des Betroffenen und seiner Kündigung oder mit einem Aufhebungsvertrag. Die Unternehmen achten sehr darauf, dass Aufhebungsverträge ein Schweigegebot mit hohen Regressandrohungen enthalten. Die skandalösen und menschenrechtswidrigen Attacken können also auch im Nachhinein nicht öffentlich thematisiert werden. Da Staatsanwaltschaften bis heute ein geringes Interesse zeigen, Rechtsbrüche im Arbeitsleben zu verfolgen, fehlt auch von staatlicher Seite die konsequente Aufklärung und Verfolgung der Taten. Solange keine politischen Entscheidungen gefallen sind, der Verfolgung dieser Rechtsbrüche höhere Priorität einzuräumen, bleibt es bei dieser faktischen Immunität bzw. der Gewährung eines quasi rechtsfreien Raums für Rechtsbrüche im Betrieb.

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