Erfolgreich wehren gegen Bossing

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Gegenwehr

Eine der wichtigsten Voraussetzungen, dass die gezielten Angriffe auf aktive Kolleginnen und Kollegen bzw. Gremien zum gewünschten Erfolg führen,  die Isolation der Betroffenen. Wer alleine ist, ist schwach. Daher ist das oberste Gebot in solch einem Fall – Öffentlichkeit herstellen. Sobald in einem Unternehmen neue Rechtsanwaltskanzleien, PR-Agenturen oder Berater auftauchen, ist Vorsicht geboten. Anwälte wie Helmut Naujoks und Dirk Schreiner sind inzwischen für ihre Dienstleistungen bei der Aushebelung der Mitbestimmung und ihrer Vertreter bekannt – andere haben das Geschäftsmodell aber ebenfalls für sich erkannt. Daher empfiehlt es sich, vorsorglich bei der zuständigen Gewerkschaft oder bei in diesem Feld tätigen Beratungsstellen (z.B. www.fair-im-betrieb.de) Erkundigungen einzuziehen. Sollte sich im zeitlichen Zusammenhang mit deren Auftauchen oder im Anschluss das Klima oder der Umgang mit der Interessenvertretung oder Einzelnen auch nur ansatzweise verändern, müssen die Kollegen sofort über die möglichen Ziele und Strategien informiert werden. Hier zählen Stunden. Das Thema auf die nächste Betriebsversammlung zu schieben, reicht hier nicht, denn inzwischen wirken die ersten Verleumdungsstrategien. Besser ist es, die Möglichkeit der zusätzlichen Betriebsversammlung zu nutzen oder die Kolleginnen und Kollegen direkt zu informieren. Nur wenn die Systematik der Angriffe sofort durchschaubar gemacht wird, kann sie im Ansatz blockiert werden. So konnte sich die Belegschaft des Autozulieferers Elco erfolgreich gegen die Machenschaften der Kanzlei Schreiner und Partner wehren. Gerade als sie im üblichen Stil die Tarifbindung verhindern wollten, handelten Betriebsrat und IG Metall schnell. Sie informierten die Belegschaft sofort auf einer Betriebsversammlung und gingen danach direkt geschlossen in den Warnstreik. Schreiner und Partner verschwanden.[i]

Auch andere Kolleginnen und Kollegen wehren sich gegen solche Art von Angriffen. Wichtig neben Öffentlichkeit ist, sich nicht in eine Verteidigungsposition drängen zu lassen. Indem man ständig auf die Angriffe, Unterstellungen, Beschuldigungen… reagiert, ist man mit sich beschäftigt und von den eigentlichen Themen abgelenkt. Besser ist hier, bei den betrieblichen Themen zu bleiben. Das ist leichter gesagt als getan. Um sich hier nicht zermürben zu lassen, ist neben dem Rückhalt in der Belegschaft externe Unterstützung wichtig. Auch ein Strafantrag nach Paragraf 119 BetrVG kann hilfreich sein. Auf jeden Fall macht eine Dokumentation Sinn, auch im Hinblick auf eine medienwirksame Veröffentlichung. Inzwischen gibt es neben den Gewerkschaften auch bundesweit einige Initiativen, an die man sich wenden kann. In NRW begleitet seit Mai ein Kooperationsprojekt von Arbeit und Leben NRW und der Günter-Wallraff-Stiftung Betroffene mit einem Netzwerk. Es besteht aus Juristinnen/Juristen, Ärztinnen/Ärzten, Therapeutinnen/Therapeuten sowie Journalistinnen/Journalisten. Außerdem ist es Ziel die Öffentlichkeit und o.g. Berufsgruppen zu sensibilisieren, Handreichungen zu erstellen und das Thema weiter in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion zu verankern. Gefördert wird das Projekt „Fair im Betrieb NRW“ vom Land NRW und dem Europäischen Sozialfonds, eng begleitet wird es von der Landesinitiative Faire Arbeit-Fairer Wettbewerb.


[i] Vgl. Dirk Erb, „Demokratie unter Druck“, metall, Juni 2015

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Zusätzliche Informationen


Aktuelles

Flughafen Köln/Bonn Arbeitsgericht lockert Hausverbot für Pond-Betriebsrat

Köln - Ein Betriebsratsmitglied einer Sicherheitsfirma am Flughafen hat vor Gericht einen Erfolg erzielt. Er darf seine Kollegen für Gespräche im FedEx-Gebäude am Flughafen Köln/Bonn besuchen und deren Arbeitsplätze in Augenschein nehmen, so das Kölner Arbeitsgericht. Ein Hausverbot hat damit keinen Bestand mehr.

Fed-Ex hatte das erteilt, weil der Mann während der Arbeitszeit Betriebsratsarbeit geleistet habe. Der Pond-Betriebsrat bestreitet das wie den weiteren Vorwurf, er habe seinen Arbeitsplatz verlassen. Der Anwalt des Betriebsrats berief sich auf das Betriebsverfassungsgesetz, das das Stören oder Behindern von Betriebsratsarbeit untersagt. FedEx sagte dagegen, dass der Pond-Betriebsrat nicht tätig werden müsse. Der Betriebsrat von FedEx kümmere sich um Arbeitsschutz in dem Gebäude, so deren Anwalt. Das überzeugte das Gericht nicht. Der FedEx-Betriebsrat sei nicht für Mitarbeiter anderer Firmen zuständig, die im Rahmen von Werksverträgen bei FedEx arbeiteten, hielt der Anwalt des Betriebsrates entgegen. Für ihn und die Gewerkschaft Verdi hat das Urteil grundsätzliche Bedeutung. Werkauftraggeber müssten Betriebsräte in ihre Gebäude lassen.

Seiner Arbeit kann der Mann noch nicht nachgehen. Und im Mai muss das Landesarbeitsgericht über seine Kündigung entscheiden. Die hatte Pond mit Blick auf das Hausverbot ausgesprochen. Der Mann sei nicht mehr einsetzbar. Betriebsratsmitgliedern kann nur außerordentlich gekündigt werden, wenn der Betriebsrat zustimmt oder ein Arbeitsgericht die Zustimmung ersetzt. (raz) – Quelle: https://www.rundschau-online.de/30008314 ©2018


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